Die Hormone im Blick behalten
Was Muskelkraft reduziert und das Abnehmen erschweren kann
Das Training hat nicht den erhofften Effekt und das Gewicht verändert sich auch nicht wie gewünscht? Das könnte an den Hormonen liegen, denn sie können die mentale und körperliche Fitness erheblich beeinflussen.
Vitalität, ein gesundes Körpergewicht und mentale Fitness sind maßgeblich an einen ausbalancierten Hormonhaushalt gebunden. Spätestens dann, wenn ausgeklügelte Trainings- und Ernährungspläne – trotz hoher Motivation, Disziplin und Eigeninitiative – nicht den gewünschten Erfolg bringen, lohnt sich der Blick auf den aktuellen Hormonstatus.
Wenn der Hormonhaushalt aus den Fugen gerät
Hormonelle Dysbalancen haben vielfältige Ursachen. Das Hormonsystem unseres Körpers lässt sich als fein austariertes Räderwerk betrachten, in dem viele Elemente wie Zahnräder ineinandergreifen. Hormone übermitteln wichtige Informationen und regulieren als Botenstoffe Körpervorgänge wie den Stoffwechsel, den Blutdruck, die Atmung und auch die Sexualfunktionen. Auch unsere Gefühle werden maßgeblich von Hormonen beeinflusst. Das sensible Zusammenspiel aus Östrogenen, Progesteron, Schilddrüsenhormonen und vielen weiteren Hormonen sorgt für körperliche Gesundheit und seelisches Wohlbefinden. Gerät dieses natürliche Gleichgewicht aus den Fugen – etwa durch Stress, Umweltfaktoren, Nahrungsmittelintoleranz oder das Einsetzen der Wechseljahre – können zahlreiche Probleme die Folge sein: Sie reichen von ungewollter Gewichtszunahme über Muskel- und Gelenkschmerzen bis hin zu kognitiven Einschränkungen und veränderten Gemütszuständen. Zunächst werden die entsprechenden Beschwerden meist nicht mit hormonellen Störungen in Verbindung gebracht – häufig werden erst Symptome therapiert, ohne tiefergehend nach den Ursachen zu fahnden.
Was genau sind Hormone?
Hormone sind Botenstoffe, die in den Drüsenzellen unserer Organe entstehen – Insulin beispielsweise in der Bauchspeicheldrüse, Cortisol in den Nebennieren und Progesteron in den Eierstöcken. Der Blutstrom transportiert diese Botenstoffe dann an ihre Wirkungsorte – die Organe und Zellen. Hier funktionieren sie wie eine Art Generalschlüssel, denn jedes Hormon hat seine eigene, unverwechselbare biochemische Struktur, die zu speziellen Rezeptoren an den Zellwänden passt. Durch dieses „Schlüssel- Schloss-Prinzip“ werden lebenswichtige Stoffwechselprozesse im Körper ausgelöst und koordiniert. Stimmt etwas nicht, kann das Auswirkungen auf den gesamten Organismus haben.
Ursachen eines unausgeglichenen Hormonhaushalts
Zu den vier wichtigsten Ursachen bzw. ursächlichen Einflußfaktoren für Störungen im Hormonhaushalt zählen:
- Mikronährstoffmangel, z. B. ein Mangel an Aminosäuren, an Mineralstoffen wie Magnesium oder an Spurenelementen wie Eisen, Jod, Zink oder Selen, ferner ein Mangel an Vitaminen – häufig der fettlöslichen Vitamine A,D, E, K oder etwa der B-Vitamine –, oft auch von Vitaminoiden wie Coenzym Q10 oder Quercetin,
- Bewegungs- und Schlafmangel,
- Übergewicht – und damit Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel,
- hormonaktive Substanzen, wie z.B. Bindemittel in Kosmetika oder Weichmacher in Plastik wie Polyethylenglykole (PEG) und andere Umweltbelastungen im Alltag.
Gerade Stoffe aus unserer Umwelt, die hormonähnliche Wirkungen in unserem Körper ausüben können – ob in Wasserflaschen, Kosmetik-Behältnissen und Kosmetik-Produkten selbst oder Plastikverpackungen unserer Lebensmittel für den täglichen Bedarf – gelten als sogenannte “endokrine Disruptoren”, die maßgeblich in den Hormonhaushalt eingreifen können. Auch Pestizide und Schwermetalle, Rückstände der Antibabypille im Trinkwasser oder Amalgam in älteren Zahnfüllungen können das hormonelle Gleichgewicht stören.
Auch eine vegetarische oder vegane Ernährung kann Einfluss auf die Mikronährstoffversorgung und den Hormonhaushalt haben und sollte daher bewusst erfolgen. Gerade bei Veganern, die nicht sorgsam auf eine adäquate Eiweißversorgung achten (etwa auf Basis von Hülsenfrüchten und Ergänzung von Reis-, Hanf-, Mandel- oder Lupinen-Protein), findet sich häufig ein Aminosäuremangel. Das kann sich in Haarausfall, Hautproblemen und vor allem einem erschwerten Muskelaufbau äußern.
Wie können Hormonwerte ermittelt werden?
Für die Identifizierung möglicher Hormonschwankungen stehen inzwischen moderne Methoden für die Selbsttestung zur Verfügung, die auch im Fitnessbereich genutzt werden können. Wenn Hormonwerte bestimmt werden, dann sollten nicht nur absolute einzelne Hormonwerte betrachtet werden, sondern vor allem das Verhältnis der Hormone zueinander und auch die Veränderung im Tages- und Zeitverlauf. Da die einzelnen Hormone in einem komplexen System interagieren, ist es in den meisten Fällen sinnvoll,ein umfassendes Hormonprofil zu erstellen, einen sogenannten Hormongesamtstatus. Zwar sind die Tests auch für Laien leicht durchzuführen, die Ergebnisse sind aber nicht ohne weiteres zu verstehen. Deshalb sollten die Laborergebnisse mit einem Arzt oder erfahrenen Therapeuten besprochen werden.
Sinnvoll ist eine Speicheltestung – insbesondere für die Hormone Cortisol, DHEA, Progesteron, Testosteron sowie die beiden Östrogene Östriol und Öst-radiol, weil diese die Membran der Speicheldrüse passieren können. Testungen über Blutproben hingegen sind wichtig, um beispielsweise aktuelle Werte zu Schilddrüsenhormonen zu ermitteln.
Wenn Hormone das Abnehmen erschweren
Schwierigkeiten beim Abnehmen und ungewollte Gewichtszunahmen bei Frauen speziell ab 30 und rund um die Menopause werden häufig von einer tatsächlichen oder relativen (im Verhältnis zu Progesteron betrachteten) Östrogen-Dominanz begleitet und begünstigt. Wenn trotz ausgeklügelter Trainingsund Ernährungspläne, aller Disziplin und Konsequenz die Abnehmerfolge ausbleiben, kann ein erster Östrogen- Dominanz-Test Aufschluss über eine Störung des Hormonhaushalts geben. Spätestens dann, wenn Kundinnen über Ödeme, Konzentrationsstörungen und Wortfindungsstörungen, Gelenkbeschwerden, eine beginnende Arthrose oder massive Muskelverhärtungen klagen, kann es sich lohnen, von einem Arzt einen Hormongesamtstatus abnehmen zu lassen.
Progesteron gilt als das weibliche Fitnesshormon. Fehlt es an sich oder ist im Verhältnis zu den beiden Östrogenen unterrepräsentiert, fördert dies die Einlagerung von Wasser und Fett insbesondere im Bereich von Bauch- und Oberschenkeln. Auch Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Migräne, depressive Verstimmungen und eine verminderte Belastbarkeit können die Folgen sein. Hinzu kommt, dass ein chronisch hoher Insulinspiegel auch den Östrogenspiegel ansteigen lässt, was wiederum die Gefahr einer Insulinresistenz der Zellen erhöht. Zusammen mit einer Unterfunktion der Schilddrüse und einem Mangel an Testosteron kann eine Östrogendominanz sukzessive auch zu einer Gewichtszunahme führen.
Cortisol- und Testosteron- Mangel wirken leistungsmindernd
Bei Männern wie Frauen zeigt sich jahrelanger Stress häufig an einer geschwächten Nebennierenfunktion. Ein Mangel des Hormons Cortisol ist die Folge. Um den Körper leistungsfähig zu machen und Energiereserven bereitzustellen, wird Cortisol über die Nebennierenrinde freigesetzt. Kurzfristig macht es uns leistungsfähiger. Ein längerfristiger Mangel und damit eine potenzielle „Erschöpfung der Nebenniere“ zeigen sich beispielsweise in Schwächegefühl, Tagesmüdigkeit, niedrigem Blutdruck, Salzhunger oder Magen-Darm-Beschwerden. All das hat erheblichen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit.
Neben einem Cortisol-Mangel wirkt sich speziell ein Testosteron-Mangel leistungsmindernd bei Männern aus. Neben Libido- und Antriebsverlust kann es zu Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, vermehrtem Schwitzen und einem Rückgang der Muskulatur kommen. Können eine Unterfunktion der Hoden und andere Erkrankungen als Ursache ausgeschlossen werden, sollten der persönliche Lebensstil, Medikamente und mögliche Umweltfaktoren näher betrachtet werden.
Mangel an Testosteron bei Männern
Aktuelle Metaanalysen, die mehrere tausend Studien umfassen, zeigen, dass sich die Spermienzahl von Männern in den westlichen Ländern in den vergangenen 40 Jahren so gut wie halbiert hat. Auch die Testosteron-Werte sinken jährlich. Mittlerweile ist etwa jeder vierte Mann über 30 von einem Testosteron- Mangel betroffen. Gleichzeitig können wir einen Anstieg von Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Übergewicht und Depressionen beobachten. Interessanterweise ist niedriges Testosteron hierfür ein potenzieller Risikofaktor.
Der häufige Konsum von Soja, das als pflanzliches Östrogen wirkt, oder Xenoöstrogene und synthetischen Substanzen mit östrogenähnlicher Wirkung – z. B. BPA, Weichmacher, Parabene oder Triclosan – wirken sich negativ auf den Testosteron-Status aus. Xenoöstrogene steigern entweder Östrogen, hemmen an der Testosteron-Produktion beteiligSchlafte Enzyme oder blockieren die Testosteron- Produktion in den Hoden. Auch Pestizid- Rückstände auf Lebensmitteln können Testosteron unterdrücken. Die genauen Werte von Testosteron und seiner Vorstufe DHEA sollten beim Verdacht auf einen Mangel unbedingt ermittelt werden. Bestätigt sich dieser, können neben bioidentischen Hormonen Adaptogene wie Ashwagandha (Schlafbeere), Bertram-Extrakt, Bockshornklee oder Ingwer hilfreich sein. Auch hier sollte ein erfahrener Therapeut, der Dosierungen und Wirkweisen kennt, mit einbezogen werden.
Mirja Krönung

Mirja Krönung
ist Mentaltrainerin, Therapeutin und Medical Coach mit über 20 Jahren Erfahrung in den Bereichen Medizin, Healthcare, Fitness und Lifestyle. Die Expertin begleitet Transformationsprozesse und unterstützt mit Inhouse- Schulungen und Online-Trainings. Sie ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Naturstoffmedizin und Epigenetik sowie Partner der Akademie für menschliche Medizin.
www.die-kroenung.com
Foto: Sergey Tarasov – stock.adobe.com